Konzept

Was sind Anamnesegruppen?
Die „Anamnese“ bezeichnet das ärztliche (Erst-) Gespräch. Dieses wird unter der Anleitung von studentischen Tutoren im Rahmen der Anamnesegruppen geübt und reflektiert. Zudem können hieraus entstehende Themen diskutiert werden.
Ein Kurs erstreckt sich meist über ein Semester. Hierzu treffen sich etwa 10 Teilnehmer und 2 studentische Tutoren einmal wöchentlich auf einem der Campi der Charité.

Wie läuft ein Anamnesegruppenabend ab?
Bei jedem Treffen führt ein Teilnehmer das Patientengespräch mit einem „echten“ Patienten, der/die sich zur Zeit in stationärer Behandlung in der Charité befindet.
Die anderen Teilnehmer hören zu, beobachten und geben dem Interviewer nach dem Gespräch ein genaues Feedback. Darauf folgt das Nachgespräch, in dem sowohl die Anamnese als auch sich daraus ergebende Fragestellungen diskutiert werden. Besonderen Wert wird hier auch auf schwierige Themen wie Tod und Sterben, Sucht, Sexualität usw. gelegt. Jedes Treffen dauert etwa 2 Stunden. Im Rahmen der Anamnesegruppen werden KEINE körperlichen Untersuchungen durchgeführt und es ist NICHT das Ziel eine Diagnose zu stellen, sondern das Gespräch mit dem Patienten zu üben und die Fragen und Probleme, die sich daraus ergeben zu bearbeiten.

Wie sind die Anamnesegruppen organisiert?
Jede Gruppe wird von zwei studentischen Tutoren im Sinne des peer-group-learnings begleitet.
Die Tutoren sind Medizinstudenten unterschiedlicher Semester und zum Teil anderer Fachrichtungen, die bereits selbst an der Anamnesegruppe teilgenommen haben und durch Tutorentraining, regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen weitergebildet werden.

Was bringt mir die Anamnesegruppe?
Die Anamnese ist ein wichtiger Teil des täglichen Handwerkszeuges des Arztes und auch hier gilt das Motto: Übung macht den Meister!
Wir bieten euch die Möglichkeit, in geschütztem Rahmen das Patientengespräch zu üben. Hierzu gehört sowohl die Erhebung einer strukturierten und möglichst vollständigen Anamnese, als auch die Reflexion von Problemen und Konfliktsituationen im Umgang mit Patienten. Es werden gemeinsam mögliche Lösungsstrategien erarbeitet und die Selbst- und Fremdwahrnehmung geschult. Die verschiedenen Facetten der Kommunikation werden verdeutlicht und der Patient wird im bio-psycho-sozialen Kontext betrachtet.
Zudem lernt ihr Kommillitonen anderer Fachsemester kennen und habt nicht zuletzt auch eine Menge Spaß!

Peer-Group-Learning
Das Prinzip des Peer-Group-Learnings beinhaltet, dass man mit und durch Gleichgestellte lernt. Das bedeutet, dass es keinen Frontalunterrricht gibt, sondern dass Zielsetzungen und Lösungsstrategien durch die Gruppe selbst erarbeitet werden. Diese entwickeln sich zum Beispiel durch das Feedback der Gruppe an den Gesprächsführer, welches ein wesentliches Element des Peer-Group-Learnings darstellt.
Die Aufgabe der Tutoren liegt somit nicht darin, im klassischen Sinne zu „lehren“, sondern vielmehr, den organisatorischen Rahmen zu gestalten, zu strukturieren und in Krisensituationen zu intervenieren.
Die Peer-group lernt mit Hilfe der Tutoren durch sich selbst.

Bio-psycho-soziales Modell
Im biopsychosozialen Modell wird der Patient in seiner Gesamtheit betrachtet. Neben dem körperlichen Zustand werden hier auch die psychischen und sozialen Verhältnisse des Patienten in die Anamnese mit einbezogen.


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